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Vier Uraufführungen in der Spielzeit 2011/12


CLOUDS

für großes Orchester (2012)


Uraufführung: 23. August 2012, Wiesbaden
Rheingau-Musikfestival
hr Sinfonieorchester
Leitung: Paavo Järvi
Auftragswerk des Hessischen Rundfunks

Weitere Aufführung: 4. Mai 2013, Berlin, Philharmonie
Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Leitung: Peter Ruzicka

Meine Musik begibt sich auf die Suche nach einem imaginären fernen Klang, dem sie nahekommt, ohne ihn je vollends zu erreichen. Der Weg führt durch Klangwolken: kristalline musikalische Gestalten, die in unterschiedlicher Formung und Dichte den Blick zu versperren scheinen. Ein heftiger Ausbruch des ganzen Orchesters überdeckt die Klangrede. Schließlich werden Felder der Erinnerung an Vergangenes betreten. Zunehmend fragile, musikalisch übermalte Gestalten säumen den Weg. Und allmählich scheint die Musik zurückzukehren…

P.R.




ÜBER UNSTERN

für großes Orchester (2011)

Uraufführung: 5. November 2011, Leipzig, Gewandhaus
MDR-Sinfonieorchester
Leitung: Peter Ruzicka

Auftragswerk des MDR

Weitere Aufführungen: 9. Dezember 2011, Shanghai, Shanghai Symphony Orchestra, Leitung: Peter Ruzicka; 17. Dezember 2011, Peking, China Philharmonic Orchestra, Leitung: Peter Ruzicka: CD-Koproduktion DeutschlandRadio 5.-8. März 2012: DSO Berlin, Leitung: Peter Ruzicka

Sendung des Uraufführungskonzertes: 6. November 2011, MDR Figaro, 19:30 Uhr (mit weiteren Werken von Liszt und Wagner)

Liszts spätes Klavierstück Unstern!  - Sinistre aus dem Jahre 1885 folgt einer musikalischen Rhetorik, die aus der Zeit gefallen scheint: frei gereihte melodische Gesten, die zögernd ansetzen und wieder verstummen, rhythmische Spuren ohne Fortschreitung, eine sich endlich in unbestimmter Harmonik auslöschende Musik. Meine im Lisztjahr 2011 für ein groß besetztes Orchester geschriebene Komposition ÜBER UNSTERN kreist um diese solitäre Klaviermeditation. Musikalische Gestalten werden aufgenommen, „angehalten“, vergrößert und überschrieben: Ein Weiterdenken in einer kontra-subjektiven Sprache, die Identifikation und Entfernung, Annäherung und Widerspruch, zu formulieren versucht. 

P.R.

Das Klavierwerk "Unstern! Sinistre, Disastro" dringt noch tiefer ein in das Schicksal als Heimsuchung, den Lauf einer Katastrophe, von der niemand weiß, wer sie lenkt. Klar ist, dass man sie nicht aufhalten kann - das verdeutlicht schon das Initialmotiv dieses späten Werks Liszts mit dem Tritonus im Zentrum. Wie in einem Hitchcockfilm rechnet man jederzeit mit einem Desaster, zwischenzeitlich liegt eine flirrende Stille über dem Publikum. ÜBER UNSTERN als Antwort auf Liszt ist ein Auftragswerk des MDR an Peter Ruzicka. Das Werk für Orchester beginnt mit Donnerklang, erstaunlich viel Schlagzeuig ist auf der Bühne zu sehen. Ruzicka nimmt Liszts Motivik auf und baut auf ähnlich dramatische Effekte, die er mittels groß besetzten Orchesters erzeugt, wie auch die Fortsetzung der bedrohlichen Atmosphäre. Das ist handwerklich großartig gemacht und kurzweilig - der intendierte Bezug zu Liszt mit interessanten Mitteln erreicht. Besonders spannend: sphärische, zirpende, digital klingende Violinen, die an splitterndes Eis oder entfernte Schreie erinnern.

Eva Finkenstein, Leipziger Volkszeitung 7. November 2011



AULODIE

Musik für Oboe und Kammerorchester (2011)


Uraufführung: 5. August 2011, Salzau
Albrecht Mayer (Oboe)
Schleswig-Holstein Festival-Orchester
Leitung: Peter Ruzicka

Auftragswerk des Schleswig-Holstein Musik-Festivals

Weitere Aufführungen: 6. August 2011, Berlin, Konzerthaus; 7. August 2011 Hamburg, NDR (mit CD-Koproduktion)

25. Mai 2012, Peking, Kai Sai (Oboe), Shenzhen Symphony Orchestra, Zhang Guoyong (Dirigent)(Chinesische Erstaufführung)

Mein 2011 komponiertes Oboenkonzert AULODIE umfasst sieben ineinander übergehende Szenen von unterschiedlicher Dichte, Dauer und instrumentaler Balance. Die das Soloinstrument begleitende Klangformation besteht aus 20 Streichern, 3 Schlagzeugern, Harfe, Klavier und Celesta. Alle sieben Szenen beginnen mit einer identischen musikalischen Gestalt. Diese öffnet den Raum für "Klangreden", die während ihres Erklingens den Impuls für ihr weiteres Fortschreiten erst zu erfahren scheinen. 

"Aulos" war jenes altgriechische Instrument, das bei besonderen Anlässen erklang: als kämpferisches Arbeitslied, als Totenklage, Hochzeitsmusik, Waffentanz oder bei Satyrspielen, die bis zu wilder Raserei gingen. Auch in der AULODIE bestimmen emotionale Grenzsituationen die sieben Szenen der Komposition. Dabei scheint die Musik vielfach innezuhalten, auf sich selbst zurück zu hören, auf früher Erklungenes zu verweisen. AULODIE mag als mein vielleicht "romanhaftestes" Werk gelten.

P.R.

Es wurde klar, was Straussens "Metamorphosen" an erster Programmstelle zu suchen hatte. Peter Ruzicka ließ ihm seine am Vorabend frisch uraufgeführte AULODIE für Oboe und Kammerorchester folgen und hatte für ihren Vortrag den philharmonischen Oboen-Großmeister Albrecht Mayer gewonnen. Einen besseren hätte er auch nicht wählen können, Mayer blies das gerade durch seine zeichnerische Klarheit höchst anspruchsvolle Werk mit wunderbarer Autorität und wurde umgehend dafür belohnt. Höhepunkt des Abends wurde Ruzickas neuestes, ganz in sich versunkenes Werk. Es gleicht in seinen sieben "Szenen" einer Kette zuhöchst sensibler Selbstbespiegelungen, die indessen alle formalen Reize des Musikmachens nutzen. Ruzicka ist immer verstandeshell und dezent gefühlvoll zugleich. Er kehrt sein Inneres nie unverrätselt nach Außen. Unterschlägt es aber auch keinen Takt lang. Er liefert in der AULODIE - was im Titel auf den Gesang mit einer Aulos-Begleitung im antiken Griechenland anspielt - einen Seelenbericht neuester Bau- und Lesart. Ein Meisterwerk.

Klaus Geitel, Berliner Morgenpost, 8. August 2011



... JE WEITER ICH KOMME, UM SO MEHR FINDE ICH MICH UNFÄHIG, DIE IDEE WIEDERZUGEBEN ...

Hommage für Kammerensemble (2011)


Uraufführung: 16. März 2012, Karlsruhe (weitere Aufführung: 18. März 2012)
Ensemble TEMA, Leitung: Gérard Buquet

Auftragswerk der Stadt Karlsruhe aus Anlass des 60. Geburtstages von Wolfgang Rihm

Die Hommage nimmt ein Briefzitat von Gustav Flaubert auf, das Wolfgang Rihm am Rande der Partitur seiner „Musik für drei Streicher“ notiert. Es kommentiert eine rasende musikalische Verdichtung, die allmählich anzusteigen scheint - unabgeschlossen, offen, unbestimmt. MeineKomposition für neun Instrumente bewegt sich auf diese Stelle zu, zunächst fragmentarisch, tastend, nur allmählich Sprache findend. Dann immer ausbruchshafter, ekstatisch, kreisend. Aber sie scheint den imaginären Fluchtpunkt zu verfehlen...

P.R.



Die letzte der vier Uraufführungen der Spielzeit 2010/11:

MAHLER | BILD

Erinnerung für Orchester (2010)


UA: 10.+11. Juli 2011, Stuttgart
Staatsorchester Stuttgart
Dirigent: Manfred Honeck

Auftragswerk des Staatstheaters Stuttgart

Im Jahre 2010 ein "zweiter Blick" auf Mahlers spätes Sinfoniefragment. Auf dessen "Adagio", das vor hundert Jahren tradierte musikalische Ausdrucksgrenzen durchbrach. Auf den Schrei des Neuntonklangs, jene Exklamation von Verlust und Verzweiflung. Auf die ins Unendliche weisende Bratschenlinie, die von Zurücknahme und Abschied kündet und zuletzt in ein Auflösungsfeld von transzendenter Berührung mündet. Ein zweiter Blick als Komponist, dessen eigenes musikalisches Material sich der fremden Gestalt annähert und sich wieder entfernt. Identifikation und Distanz. Auch Rückschau auf Vorgedachtes. Kreisende Bewegung, Mahler gleichsam konzentrisch umschließend. Dann Stillstand, Verschwinden, Introspektion. Und nochmals ein Ausbrechen, bevor unter fernen Signalen das Bild vergeht.

P.R.


Zur Uraufführung von MAHLER | BILD von Peter Ruzicka:

Danach dann folgte die Befragung des Sinfonikers Mahler durch Peter Ruzicka. Er schrieb im Auftrag des Staatsorchesters MAHLER | BILD, ein Stück, das auf die Fragment gebliebene 10. Sinfonie Mahlers rekurriert. Wie diese Musik zurückhaltend zentrale kompositorische Elemente des Vorbilds umkreist, wie sie die Klangwelt Mahlers bisweilen nur noch geräuschhaft reflektiert, wie sie mit ungeheurer Energie in den grell gleißenden neuntönigen Kulminationsklang hinaus explodiert, um dann in konzentrierte Stille zurückzusinken, das zelebrierten Manfred Honeck und das Staatsorchester exzellent.

Annette Eckerle, Stuttgarter Zeitung, 11. Juli 2011


Peter Ruzickas Vision in seiner Auftragskomposition, heißt "Erinnerung". Die schmerzhafte Dissonanz jenes Neunton-Akkords, den Mahler dem Adagio-Satz seiner unvollendeten zehnten Sinfonie eingeschrieben hat, steht im Zeichen des spannenden 21-minütigen Ruzicka-Stücks, das mit der Auffächerung eines einzigen Tons in den ersten Geigen beginnt, die sich unendlich langsam im Orchester ausbreitet und in choralartige Bläsereinwürfe und Schlagzeugausbrüche steigert. Über Raumlautsprecher wird eine Art farbiges Rauschen eingespielt, das Ruzickas MAHLER | BILD einhüllt. Nach dem wiederholten Aufschrei des Neunton-Akkords wirkt der Ausklang mit einer unbegleiteten Bratschenkantilene wie ein Epitaph. Ruzicka, der sich in seinem Werk schon öfters mit Mahler beschäftigt hat, wirft hier einen "zweiten Blick" auf dessen Adagio, er orchestriert eine "kreisende Bewegung, Mahler gleichsam konzentrisch umschließend."

Dietholf Zerweck, Stuttgarter Echo, 13. Juli 2011


Fast tonlos beginnend und ebenso leise am Ende vergehend, scheinen subtil ausgehörte Klänge, dominierend die Bläser, sich Mahlers "Adagio" zu nähern, es sensibel zu überwölben. Eine Musik. wie ein ferner Gruß an einen Komponisten, dessen Werk unverändert in die Moderne bis heute weiterwirkt. Das Stuttgarter Orchester unter Manfred Honeck näherte sich Ruzickas MAHLER I BILD wie dem Adagio mit gebotener klanglicher Delikatesse und Empfindungskraft.

Gerhard Rohde, FAZ, 13. Juli 2011




NEUERSCHEINUNG

Peter Ruzicka - Orchesterwerke Vol. I


Anfang 2012 erschienen ist eine neue CD mit vier zwischen 2001 und 2008 entstandenen Orchesterwerken von Peter Ruzicka bei NEOS (Vol. I). Die Aufnahmen erfolgten im Jahre 2010 in Koproduktion mit dem NDR mit folgenden Werken:

Orchesterwerke Vol1

VORECHO, Acht Ansätze für großes Orchester

NACHKLANG, Spiegel für Orchester

MEMORIAL PER G.S. für Orchester

NACHTSTÜCK (-AUFGEGEBENES WERK) für Orchester

NDR Sinfonieorchester, Leitung: Peter Ruzicka

NEOS CD 11045

Eine faszinierende Musiksprache unserer Zeit, präzise und idiomatisch gesprochen vom NDR-Sinfonieorchester. Es lässt die Klänge aus dem Nichts erstehen und wieder in diesem versinken, schweift suchend umher, wärmt sich auf seltenen tonalen Inseln und kann, wenn verlangt, auch ein Trommelfeuer-Staccato abschießen.

Musik *****, Klang****
FonoForum, April 2012

As has been demonstrated on many CDs, Ruzicka is a superb conductor. The orchestra is excellent, so we can assume the composer is getting evcrything he wants from these performances. The recorded sound is dark, reverberant, and lush. This is a magnificent disc.

Fanfare (USA), April 2012



NEUERSCHEINUNG

CD (Mai 2012)



Einschreibung

THOROFON
CTH 2589

EINSCHREIBUNG
Sechs Stücke für großes Orchester
NDR Sinfonieorchester
Dirigent: Christoph Eschenbach

AULODIE
Musik für Oboe und Kammerorchester
Albrecht Mayer, Oboe
Schleswig-Holstein Festival Orchester
Dirigent: Peter Ruzicka

„…ZURÜCKNEHMEN…“
Erinnerung für großes Orchester
Wiener Philharmoniker
Dirigent: Christian Thielemann



Das Minguet Quartett spielt die

Streichquartette 1-6 von Peter Ruzicka

in der Alten Oper Frankfurt

Montag, 19. September 2011
Mozart Saal, 20:00 Uhr

AUFTAKT 2011
Minguet Quartett

Minguet Quartett
Sarah Maria Sun (Sopran)
Johannes Martin Kränzle (Sprecher)

Peter Ruzicka: Streichquartette Nr. 1-6

Veranstalter: Alte Oper Frankfurt

Mit freundlicher Unterstützung der Aventis Foundation Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst und der Gesellschaft der Freunde der Alten Oper Frankfurt



Die Gesamtaufnahme der Streichquartette auf 2 CDs (NEOS)


Diese Einspielung wurde im Jahre 2010 mit dem ECHO Klassik Preis 2010 in der Kategorie Kammermusikeinspielung ausgezeichnet.

neos 10822 ruzicka

NEOS 10822/23 (2 CD Box)
Koproduktion mit Deutschlandfunk

Minguet Quartett
Mojca Erdmann, Sopran
Christoph Bantzer, Sprecher

SACD 1
01 INTROSPEZIONE • Streichquartett Nr. 1
Dokumentation für Streichquartett (1969/1970)
02-06 ... FRAGMENT... • Streichquartett Nr. 2
Fünf Epigramme für Streichquartett (1970)
07 Paul Celan: 12 Gedichte aus "Zeitgehöft" (gelesen von Peter Ruzicka)
08 KLANGSCHATTEN für Streichquartett (1991)
09 ... ÜBER EIN VERSCHWINDEN • Streichquartett Nr. 3 (1992)

SACD 2
01 "... SICH VERLIEREND" • Streichquartett Nr. 4
für Streichquartett und Sprecher (1996)
02 STURZ • Streichquartett Nr. 5 (2004)
03-09 ERINNERUNG UND VERGESSEN • Streichquartett Nr. 6
für Streichquartett und Sopran (2008)


Sprachschatten, Klangschatten...

Im Werkkatalog Peter Ruzickas bildet sich eine innere Landschaft ab, deren Konturen in den ersten drei Jahrzehnten seines Schaffens wesentlich von der sanften Schubkraft Celanscher Lyrik bestimmt waren, seit 2002 dann insbesondere von der Sogwirkung Hölderlinschen Dichtens und Denkens. Zwei Dichter - zwei Brennpunkte einer Ellipse, auf der neben den beiden Musiktheaterwerken Celan (2001) und Hölderlin (2008), etwa vierzig großformatigen Partituren für Orchester, einer Vielzahl von Werken für Kammerensemble und Titeln mit vokalen Anteilen auch die sieben hier dokumentierten Kompositionen für Streichquartett auszumachen sind.

Mit ihren Entstehungsdaten (1970 bis 2008) umspannen und strukturieren sie zugleich das Schaffen von nahezu vier Dezennien. Als jeweilige »Reflexionen eines bestimmten Zustandes, eines bestimmten Ereignisses« (Peter Ruzicka) kann man sie wie Auszüge aus einem Tagebuch hören, die - bei allem »Wechsel der Töne« (Hölderlin) - durch die Einheit des einen Tons miteinander kommunizieren. Dieser Ton verdankt sich vor allem den Referenzen Mahler, Webern und Celan, deren Nachhall in Ruzickas Werken den ästhetischen Kurs von Anbeginn markiert. Als trigonometrische Punkte seines Schaffens vermögen sie Werke ganz unterschiedlicher Intention zu einem Œuvre zusammenzubinden, von dem man sagen darf, dass es sich bis in die jüngsten Opera hinein treu geblieben ist. Daneben sind es vor allem die Parameter Erinnerung, Zeit und Stille, die, auf immer neue Weise ins Werk gesetzt, zu den Wasserzeichen von Ruzickas Partituren gehören. In ihnen vor allem gewinnt ein Gedanke Gestalt, den Celans Lyrik immer wieder hervorzweifelt, der Hölderlins poetisches Denken grundiert und den man als die imaginäre Mitte von Ruzickas musikalischer Poetik bezeichnen darf: Es ist das Bild vom Werden im Vergehen, das sich - nie triumphierend, vielmehr zaghaft und oft von Zweifeln begleitet - in seinen Partituren Gehör verschafft.

Peter Becker


IN VORBEREITUNG: CD


Peter Ruzicka - Orchesterwerke Vol. II


ÜBER UNSTERN
MAHLER | BILD
TRANS

DSO Berlin, Dirigent: Peter Ruzicka
Koproduktion NEOS/DeutschlandRadio 5.-8. März 2012