Print

Vier Uraufführungen in der Spielzeit 2010/11


...ÜBER DIE GRENZE

Konzert für Violoncello und Kammerorchester (2009)


UA: 15. September 2010, Bonn
Daniel Müller-Schott, Violoncello
Die Deutsche Kammerphilharmonie
Dirigent: Peter Ruzicka
Auftragswerk des Beethovenfestes Bonn

ÖE: 3. Dezember 2010, Salzburg
Peter Sigl, Violoncello
Camerata Salzburg
Dirigent Peter Ruzicka



HÖLDERLIN SYMPHONIE

für Bariton, Kammerchor und Orchester (2008/10)


UA: 17. Oktober 2010, Peking
Peking Music Festival
Thomas Bauer, Bariton
China Philharmonic Orchestra
Dirigent: Peter Ruzicka

DEA: 17. Juni 2012, Saarbrücken (SR)
Thomas Bauer
NDR Chor
Deutsche Radio-Philharmonie Saarbrücken
Dirigent: Peter Ruzicka

Meine HÖLDERLIN SYMPHONIE komponierte ich im Anschluss an die Uraufführung der Oper HÖLDERLIN an der Staatsoper Berlin (November 2008). Das Werk umfasst wesentliche symphonische Teile der Oper sowie vier Szenen für Bariton und Orchester, die als „Monologe des Empedokles" konzipiert sind. Sie stehen innerhalb der Oper als dramaturgisch zentrale Momenten der Reflexion, des Rückblicks. Ihnen ist Aufbegehren, aber auch Scheitern und Resignation eingeschrieben. Die Oper handelt von der Utopie, das menschliche Leben ein zweites Mal angehen zu können - dann geläutert durch die Philosophie Hölderlins: ein Leben der äußeren und inneren Freiheit und Selbstbestimmung des Individuums.

Die zehn Teile der HÖLDERLIN SYMPHONIE haben die Überschriften:

1. Resonanza in simpatia

2. Die Vertreibung aus dem Paradies

3. Das Gefühl der Einsamkeit - Empedokles-Monolog I

4. Gestrandet - Welcome on Earth

5. Empedokles-Monolog II

6. Wohin?

7. Natürlich Empedokles - Empedokles-Monolog III

8. Das Menschliche zieht nicht hinan

9. Empedokles-Monolog IV

10. Berg und Tal




EINSCHREIBUNG

Sechs Stücke für großes Orchester (2010)


UA: 10. + 11. Februar 2011, Hamburg sowie 12. Februar 2011, Kiel
NDR Sinfonieorchester
Dirigent: Christoph Eschenbach
Auftragswerk des NDR

Die im Sommer 2010 im Auftrag des NDR für das Mahler-Jahr komponierten sechs Orchesterstücke verstehen sich als ein "zweiter Blick" auf musikalische Gestalten, die mich in der Erfahrung Mahlerscher Musik geprägt haben. Es sind momentweise Näherungen, die sich in meine eigene Musik "eingeschrieben" haben. Mahlers Gedanken strahlen impulshaft in die Klangrede der Stücke ein. Durchweg sind es jene unvergleichlichen Momente des Durchbruchs, die sich tief in mein musikalisches Bewusstsein eingebrannt haben. Zu orten sind sie als sekundenkurze Spuren aus der sechsten, siebten, neunten und zehnten Symphonie. Die Gestalten zerfallen alsbald wieder, aber sie wirken untergründig in meiner Musik fort. Bei der Komposition von EINSCHREIBUNG machte ich die Erfahrung einer Selbstbeobachtung: die Musik schaut im Moment des Erklingens nach vorn - wie gleichermaßen zurück. In einem beständigen Wechsel von Annäherung und Entfernung entstanden sechs Klangfelder, die sich zwischen Identifikation und einem unbestimmten Nicht-Identischen bewegen.

P.R.



MAHLER | BILD

Erinnerung für Orchester (2010)


UA: 10.+11. Juli 2011, Stuttgart
Staatsorchester Stuttgart
Dirigent: Manfred Honeck
Auftragswerk des Staatstheaters Stuttgart

Im Jahre 2010 ein "zweiter Blick" auf Mahlers spätes Sinfoniefragment. Auf dessen "Adagio", das vor hundert Jahren tradierte musikalische Ausdrucksgrenzen durchbrach. Auf den Schrei des Neuntonklangs, jene Exklamation von Verlust und Verzweiflung. Auf die ins Unendliche weisende Bratschenlinie, die von Zurücknahme und Abschied kündet und zuletzt in ein Auflösungsfeld von transzendenter Berührung mündet. Ein zweiter Blick als Komponist, dessen eigenes musikalisches Material sich der fremden Gestalt annähert und sich wieder entfernt. Identifikation und Distanz. Auch Rückschau auf Vorgedachtes. Kreisende Bewegung, Mahler gleichsam konzentrisch umschließend. Dann Stillstand, Verschwinden, Introspektion. Und nochmals ein Ausbrechen, bevor unter fernen Signalen das Bild vergeht.

P.R.



EIN NEUES OBOENKONZERT FÜR ALBRECHT MAYER


Peter Ruzicka hat die Komposition eines neuen Werkes für Oboe und Orchester abgeschlossen, das im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik-Festivals 2011 uraufgeführt werden wird. Der Titel lautet: AULODIE, Musik für Oboe und Kammerorchester (2011). Die Komposition ist im Auftrag des Schleswig-Holstein Musik-Festival entstanden. Uraufführung am 5. August 2011, Salzau, Albrecht Mayer (Oboe), Schleswig-Holstein Festival-Orchester, Leitung: Peter Ruzicka. Weitere Aufführungen: 6. August 2011, Berlin, Konzerthaus, 7. August Hamburg.

Mein 2011 komponiertes Oboenkonzert AULODIE umfasst sieben ineinander übergehende Szenen von unterschiedlicher Dichte, Dauer und instrumentaler Balance. Die das Soloinstrument begleitende Klangformation besteht aus 20 Streichern, 3 Schlagzeugern, Harfe, Klavier und Celesta. Alle sieben Szenen beginnen mit einer identischen musikalischen Gestalt. Diese öffnet den Raum für "Klangreden", die während ihres Erklingens den Impuls für ihr weiteres Fortschreiten erst zu erfahren scheinen. 

"Aulos" war jenes altgriechische Instrument, das bei besonderen Anlässen erklang: als kämpferisches Arbeitslied, als Totenklage, Hochzeitsmusik, Waffentanz oder bei Satyrspielen, die bis zu wilder Raserei gingen. Auch in der AULODIE bestimmen emotionale Grenzsituationen die sieben Szenen der Komposition. Dabei scheint die Musik vielfach innezuhalten, auf sich selbst zurück zu hören, auf früher Erklungenes zu verweisen. AULODIE mag als mein vielleicht "romanhaftestes" Werk gelten.

P.R.



NEUERSCHEINUNG

Ruzicka -Orchesterwerke Vol. I


In Kürze erscheint eine neue CD mit vier Orchesterwerken von Peter Ruzicka bei NEOS (Vol. I). Die Aufnahmen erfolgten 2010 in Koproduktion mit NDR mit folgenden Werken:

VORECHO, Acht Ansätze für großes Orchester

NACHKLANG, Spiegel für Orchester

MEMORIAL PER G.S. für Orchester

NACHTSTÜCK (-AUFGEGEBENES WERK) für Orchester

NDR Sinfonieorchester, Leitung: Peter Ruzicka

NEOS CD 11045



Augen auf: Musik

Film - Musik - Gespräch   -  Erster Abend "Ins Dunkle, ins Offene" -

ein Film über Peter Ruzicka


18. Januar 2011, 20.30 Uhr, München, Gasteig, Carl Orff Saal

Mit dem Regisseur Klaus Voswinckel, der Pianistin Sophie-Mayuko Vetter und Peter Ruzicka. Konzept und Moderation: Klaus Schultz

Eine neue Reihe mit folgender Idee: Filme über Komponisten und Interpreten des 20. Jahrhunderts werden auf Großleinwand präsentiert. Im Anschluss daran finden Gespräche mit den Autoren des Films und den porträtierten Künstlern statt. Zum Konzept gehört außerdem Livemusik - Kompositionen der porträtierten Komponisten werden dargeboten. Klaus Schultz wirkte viele Jahre in München als Dramaturg und Intendant.



ECHO Klassik Preis 2010 an Peter Ruzicka


Die ECHO Klassik-Jury hat entschieden, der Neueinspielung der Streichquartette 1-6 von Peter Ruzicka durch das Minguet Quartett den ECHO Klassik Preis 2010 in der Kategorie Kammermusikeinspielung des Jahres zu verleihen.

Der Preis wurde am 17. Oktober 2010 in der Philharmonie Essen verliehen und vom ZDF ausgestrahlt.

neos_10822_ruzicka








NEOS 10822/23 (2 CD Box) Koproduktion mit Deutschlandfunk

Minguet Quartett

Mojca Erdmann, Sopran Christoph Bantzer, Sprecher

SACD 1
01 INTROSPEZIONE · Streichquartett Nr. 1
Dokumentation für Streichquartett (1969/1970)
02-06 ... FRAGMENT... · Streichquartett Nr. 2
Fünf Epigramme für Streichquartett (1970)
07 Paul Celan: 12 Gedichte aus"Zeitgehöft" (gelesen von Peter Ruzicka)
08 KLANGSCHATTEN für Streichquartett (1991)
09 ... ÜBER EIN VERSCHWINDEN · Streichquartett Nr. 3 (1992)

SACD 2
01 "... SICH VERLIEREND" · Streichquartett Nr. 4
für Streichquartett und Sprecher (1996)
02 STURZ · Streichquartett Nr. 5 (2004)
03-09 ERINNERUNG UND VERGESSEN · Streichquartett Nr. 6
für Streichquartett und Sopran (2008)


Sprachschatten, Klangschatten...

Im Werkkatalog Peter Ruzickas bildet sich eine innere Landschaft ab, deren Konturen in den ersten drei Jahrzehnten seines Schaffens wesentlich von der sanften Schubkraft Celanscher Lyrik bestimmt waren, seit 2002 dann insbesondere von der Sogwirkung Hölderlinschen Dichtens und Denkens. Zwei Dichter - zwei Brennpunkte einer Ellipse, auf der neben den beiden Musiktheaterwerken Celan (2001) und Hölderlin (2008), etwa vierzig großformatigen Partituren für Orchester, einer Vielzahl von Werken für Kammerensemble und Titeln mit vokalen Anteilen auch die sieben hier dokumentierten Kompositionen für Streichquartett auszumachen sind.

Mit ihren Entstehungsdaten (1970 bis 2008) umspannen und strukturieren sie zugleich das Schaffen von nahezu vier Dezennien. Als jeweilige »Reflexionen eines bestimmten Zustandes, eines bestimmten Ereignisses« (Peter Ruzicka) kann man sie wie Auszüge aus einem Tagebuch hören, die - bei allem »Wechsel der Töne« (Hölderlin) - durch die Einheit des einen Tons miteinander kommunizieren. Dieser Ton verdankt sich vor allem den Referenzen Mahler, Webern und Celan, deren Nachhall in Ruzickas Werken den ästhetischen Kurs von Anbeginn markiert. Als trigonometrische Punkte seines Schaffens vermögen sie Werke ganz unterschiedlicher Intention zu einem Œuvre zusammenzubinden, von dem man sagen darf, dass es sich bis in die jüngsten Opera hinein treu geblieben ist. Daneben sind es vor allem die Parameter Erinnerung, Zeit und Stille, die, auf immer neue Weise ins Werk gesetzt, zu den Wasserzeichen von Ruzickas Partituren gehören. In ihnen vor allem gewinnt ein Gedanke Gestalt, den Celans Lyrik immer wieder hervorzweifelt, der Hölderlins poetisches Denken grundiert und den man als die imaginäre Mitte von Ruzickas musikalischer Poetik bezeichnen darf: Es ist das Bild vom Werden im Vergehen, das sich - nie triumphierend, vielmehr zaghaft und oft von Zweifeln begleitet - in seinen Partituren Gehör verschafft.

Peter Becker



Die Streichquartette 1-6 im Konzert


Das Minguet Quartett spielt erstmals sämtliche Streichquartette von Peter Ruzicka an einem Konzertabend. In der Bayerischen Akademie der Schönen Künste in München findet am 19. September 2010, 19.00 Uhr, ein Konzert mit den Werken INTROSPEZIONE, "...FRAGMENT...", ...ÜBER EIN VERSCHWINDEN, ...SICH VERLIEREND, STURZ und ERINNERUNG UND VERGESSEN statt. Solisten sind Sarah Maria Sun (Sopran) und Klaus Schultz (Rezitation). Klaus Schultz wird mit Peter Ruzicka über die Werke sprechen.



Meisterkurs "Komposition für Streichquartett"

20.-27. August 2010

Hochschule für Musik und Theater Rostock


Peter Ruzicka leitet im Rahmen der Meisterkurse 2010 ein Seminar über Streichquartett-Komposition mit zwölf international ausgewählten Teilnehmern. Hierbei besteht neben Analysen und praktischen Übungen auch die Möglichkeit einer Aufführung ausgewählter Werke der Kursteilnehmer mit dem Minguet Quartett, das für die gesamte Kursdauer zur Verfügung steht.

In einem Konzert am 24. August 2010 wird das Minguet Quartett dazu die Streichquartette "...FRAGMENT..., ...ÜBER EIN VERSCHWINDEN und ERINNERUNG UND VERGESSEN (mit der Sopranistin Brigitte Bayer) zur Aufführung bringen.



Peter Ruzicka "Artist und Composer in Residence" beim Beethovenfest Bonn 2010


Mit insgesamt vier Konzerten sowie weiteren Veranstaltungen wird Peter Ruzicka beim diesjährigen Beethovenfest Bonn als Komponist und Dirigent präsentiert.

In einem Konzert mit der Deutschen Kammerphilharmonie am 15. September 2010 unter Leitung von Peter Ruzicka erklingt als Auftragskomposition des Beethovenfestes die Uraufführung des neuen Werkes ...ÜBER DIE GRENZE, Konzert für Violoncello und Kammerorchester (2009). Solist ist Daniel Müller-Schott. Weiter im Programm: die Symphonie Es-Dur op. 33 des Beethoven-Zeitgenossen Anton Eberl und das Streichquartett f-moll op. 95 von Ludwig van Beethoven in der Bearbeitung für Streichorchester von Gustav Mahler.

Am 30. September 2010 dirigiert Peter Ruzicka die 9. Symphonie von Ludwig van Beethoven in der Bearbeitung von Gustav Mahler mit der Staatskapelle Weimar, dem Städtischen Musikverein zu Düsseldorf und den Solisten Nadine Lehner, Anne-Carolyn Schlüter, Christian Elsner und Ralf Lukas. Im gleichen Programm erklingt sein Werk ...INS OFFENE, Musik für 22 Streicher (2006).

Die beiden Konzerte am 15. und 30. September 2010 überträgt WDR 3 live.

Das gesamte Liedschaffen von Ruzicka präsentieren am 18. September 2010 Dietrich Henschel (Bariton)und Michael Schäfer (Klavier): ACHT GESÄNGE NACH FRAGMENTEN VON NIETZSCHE, LEBEN UND TOD (nach Mörike)sowie ...UND MÖCHTET IHR AN MICH DIE HÄNDE LEGEN (nach Texten von Hölderlin).

Am 19. September 2010 interpretiert das Minguet Quartett das 2. Streichquartett ...FRAGMENT... (1970) und das 6. Streichquartett mit Sopran ERINNERUNG UND VERGESSEN (2008). Solistin ist Mojca Erdmann.

Im Rahmen des Symposions "Utopie und Freiheit in der Musik" am 17. September 2010 ist Peter Ruzicka Gesprächspartner von Ulrich Mosch und Jan Müller-Wieland zum Thema "Ins Offene - Innenansichten zweier Komponisten".

Der Porträtfilm von Klaus Voswinckel "Ins Dunkle, ins Offene - Der Komponist Peter Ruzicka" (BR 2009) wird im Rahmen des Festivals am 18. September 2010 gezeigt.



nach oben/back to top