Peter Ruzicka

WORLD PREMIERES

FURIOSO

für Orchester (2018)

Uraufführung: 31. August 2019 Grafenegg

Tonkünstlerorchester

Leitung: Peter Ruzicka

Auftragswerk des Festivals Grafenegg

 

Die Idee zu meinem Orchesterwerk FURIOSO geht auf eine Anregung des Dirigenten Christian Thielemann zurück, der mich fragte, warum es in der Neuen Musik eigentlich keine Ouvertüren mehr gäbe. Ich erinnerte mich an meinen väterlichen Mentor Rolf Liebermann, der 1947 ein sehr wirkungsvolles Werk mit dem Titel «Furioso» komponiert hatte. Ein Kompositionsauftrag des Musikfestivals Grafenegg bot schließlich die willkommene Gelegenheit, diesen Gedanken zu verwirklichen. Der Werktitel FURIOSO erklärt sich selbst:  es dominieren rasend schnelle, sich zunehmend verdichtende Gestalten und Bewegungen in Streichern und Pauken, wobei das vorgegebene Tempo durchaus an die Grenzen der Spielbarkeit führt. Heftige Einwürfe in den Bläsern verdichten die Szenerie. Die Musik erhält zunehmend turbulenten, sich überstürzenden Charakter. Ein kürzerer, eher ruhiger Mittelteil erinnert momentweise an eine Szene meiner letzten Oper BENJAMIN, für die eine breite Fächerung der Streicherstimmen charakteristisch ist. Schließlich eine Wiederaufnahme der anfänglichen Turbulenzen, diesmal übermalt durch additive musikalische Gestalten, die das Klangbild in ein neues Licht tauchen. In einer ekstatischen Verdichtung des Orchestersatzes, besonders der hohen Streicher, mündet «Furioso» in einen heftig abbrechenden Schluss.

P.R.


NEW CD RELEASES



Beethoven Ludwig van Beethoven
Piano Concertos NO. 0, NO. 2, NO. 6
World Première Recording

Sophie-Mayuko Vetter, Piano, Fortepiano
Hamburg Symphony Orchestra
Peter Ruzicka, Conductor
Erscheinungsdatum: 18. Oktober 2019
Label: Oehmsclassics (Naxos Deutschland Musik & Video Vertriebs-GmbH)
Bestellnr.: OC 1710




 

Loop

Ruzicka:
LOOP
… INSELN, RANDLOS…
FÜNF BRUCHSTÜCKE
FLUCHT

Gergei Nakariakov, Giuliano Sommerhalder

Carolin Widmann, Vocalconsort Berlin


Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks
Dirigent: Peter Ruzicka

NEOS 11933     Erscheinungsdatum: 24. Mai 2019

Die 33. Musica-Viva-Folge dokumentiert ein fulminant gespieltes Konzert mit herausragenden Orchesterwerken jüngeren und älteren Datums, mit Ruzicka selbst am Pult. Es beinhaltet die Uraufführung von LOOP (2017), einem latent routiniert wirkenden Doppelkonzert für Trompete und Piccolotrompete, das von unruhig vorwärtstreibenden Bewegungsverläufen geprägt ist. Kein Vergleich zur aufregenden Vielschichtigkeit von ...INSELN, RANDLOS... (1994/95) im Dunstkreis von Ruzickas "Celan-Oper", hier mit einer fabelhaften Carolin Widmann. Die unterschiedlichen Klangsphären von Solovioline, Chor und Orchester durchdringen sich sublim oder stoßen sich heftig ab in den unterschiedlichsten Farbgebungen und stilistischen Idiomen. Auch in den furiosen FÜNF BRUCHSTÜCKEN (1984/87) begegnen abgründige Traditionsreflexionen, die nicht nur im Adagio-Ton des dritten Stücks Gustav Mahler auf den Plan rufen. Viele Orchesterkompositionen Ruzickas stellen Vorstudien zu späteren Opern dar, so auch FLUCHT (2014), dessen sechs "Passagen" die späteren Zwischenspiele der Oper BENJAMIN ankündigen.

Dirk Wieschollek, FONO FORUM 10/2019

 


BENJAMIN

Musiktheater in sieben Stationen

Auftragswerk der Staatsoper Hamburg

Uraufführung: 3. Juni 2018
Wiederaufnahme: 14. Oktober 2018

Musikalische Leitung: Peter Ruzicka

Yona Kim (Regie)
Heike Scheele (Bühne)
Falk Bauer (Kostüme)
Reinhard Traub (Light Design)
Eberhard Friedrich (Chordirektor)
Angela Beuerle (Dramaturgie)


Walter B.        Dietrich Henschel
Asja L.              Lini Gong
Hannah A.       Dorottya Láng
Bertolt B.         Andreas Conrad
Gershom S.     Tigran Martirossian
Dora S.             Marta Swiderska


Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Chor der Hamburgischen Staatsoper
Sonderchor
Alsterspatzen

 

NEUPRODUKTION THEATER HEIDELBERG

Premiere: 9. Februar 2019


Musikalische Leitung: Elias Grandy/Julian Pontus Schirmer
Regie: Ingo Kerkhof
Bühne:: Anne Neuser
Kostüme:: Inge Medert
Chordirektion: Ines Kaun

Walter B.: Miljenko Turk
Asja L.:  Yasmin Özkan
Hannah A.: Shahar Levi
Dora K.: Denise Seyhan
Gershom S.: James Homann
Bertolt B.: Winfrid Mikus

Chor, Extrachor und Kinder- und Jugendchor des Theaters und Orchesters Heidelberg
Philharmonisches Orchester Heidelberg

Weitere Aufführungen:
17. Februar 2019
7. März 2019
12, März 2019
22. März 2019
24. März 2019
8. April 2019

Pressestimmen

Gehetzt, doch nicht ohne Hoffnung
"Peter Ruzicka hat eine eindringliche Oper über Walter Benjamin geschrieben. An der Staatsoper in Hamburg erlebt sie nun ihre Uraufführung – mit imposanten Singstimmen."
6. Juni 2018
Link: Frankfurter Allgemeine - Bühne und Konzert

Mitreißendes Musiktheater an der Staatsoper
"Vom Premierenpublikum bejubelt: An der Staatsoper dirigierte Peter Ruzicka die Uraufführung seiner Oper „Benjamin"."
5. Juni 2018
Link: Hamburger Abendblatt

Hannah Arendt and Walter Benjamin Don’t Talk. They Sing.
"Dietrich Henschel as the doomed German-Jewish philosopher Walter Benjamin in Peter Ruzicka’s “Benjamin” at the Hamburg State Opera."
24. Juni 2018
Link: The New York Times - Critic’s Notebook

Im Gegenwind der Barbarei
"Peter Ruzickas neue Oper „Benjamin“ an der Staatsoper Hamburg uraufgeführt"
11. Juni 2018
Link: NMZ online

Wenn die Philosophie singt
"Das Leben eines Philosophen als Oper? Klingt gewagt. Peter Ruzicka dampft die Weltrevolution des Walter Benjamin auf der Opernbühne ein und transformiert sie ins Private. Großartig!"
4. Juni 2018
Link: Spiegel Online - Kultur

Vorwärts, und nichts vergessen
"Peter Ruzickas jüngste biografische Oper „Benjamin“ feiert an der Hamburgischen Staatsoper ihre umjubelte Uraufführung"
5. Juni 2018
Link: WELT kompakt - Hamburg

Uraufführung an der Staatsoper Hamburg
"Walter Benjamin für die Opernbühne adaptiert"
14. Juni 2018
Link: Osnabrücker Zeitung - Kultur

Das bewegte Meer ist kein Ausweg
"Eine Tat: Das Theater Heidelberg radikalisiert Peter Ruzickas Oper "Benjamin", indem die Inszenierung von Ingo Kerkhof Entsetzen und Verfremdung ..."
16. Februar 2019
PDF: Rezension Frankfurter Allgemeine Zeitung (Original-Link: FAZ)

Musiktheater mit Peter Ruzickas „Benjamin“ - In Heidelberg triumphiert endlich wieder eine ernstzunehmende Produktion
"Wenn Theorie zu Kunst wird"
11. Februar 2019
PDF-Datei: Rezension Mannheimer Morgen (Original-Link: Mannheimer Morgen)

Zerrieben zwischen Schriftstellerei und Flucht
"Preisverdächtig: Peter Ruzickas Oper "Benjamin" als Zweitaufführung in Heidelberg - Grandiose Gesamtleistung"
11. Februar 2019
Link: Rhein-Neckar-Zeitung - Kultur Regional (Archiv)

https://www.wiesbadener-kurier.de/freizeit/kunst-und-kultur/theater/erfolg-fur-ruzickas-benjamin-oper-in-heidelberg_19969776

Weitere Informationen

https://www.theaterheidelberg.de/produktion/benjamin/

https://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/treffpunkt-klassik/peter-ruzicka-benjamin/-/id=660614/did=23370576/nid=660614/7ypgf0/index.html



Was geht in Walter Benjamin vor, als er auf der Flucht vor den Nationalsozialisten in einer Lichtung tief in den Pyrenäen jene Septembernacht allein verbringt? Er hat nichts bei sich außer seiner Aktentasche mit Manuskripten. Vor ihm erstrecken sich die Wälder, die ihn zur französisch-spanischen Grenze bringen sollen. Der rastlose Reisende und unermüdliche Grenzgänger, der Walter Benjamin in seinem Leben sowie seinem Denken und Schreiben stets war, steckt nun an einer existentiellen „Schwelle“ fest, in „einer Zone“ des gefährlichen Übergangs. Die Übergangsriten, „rites de passage“,  die er in diesem nächtlichen Wald abhält, sind die des Lebens und des Todes. Und das Denken selbst wird zu einer Frage des nackten Überlebens; er kann bei der Morgendämmerung den ungewissen Weg durch den Wald weitergehen und die rettende Grenze nach Port Bou überschreiten, ohne gefasst zu werden. Doch die Flucht kann ebenso misslingen, und die Folge ist seine Auslieferung an die Nationalsozialisten, was den Tod bedeutet.

Kein dialektisches Denken, dem er sich zeitlebens mit aller Vehemenz und Skepsis zugleich verpflichtet hatte, wird je in der Lage sein, die unversöhnliche Gegensätzlichkeit dieser beiden Hypothesen zu synthetisieren. Der tiefe Riss, der sich hier auftut, ist der Raum, wo das Musiktheater BENJAMIN beginnt. Es ist ein labyrinthisches Spiel des Erinnerns und Vergegenwärtigens an der Schwelle des (Über-)Lebens, das keiner Logik der Chronologie oder der Ortseinheit gehorcht, sondern sich einzig und allein auf den Sog, ja, den Blutstrom des Vergegenwärtigten einlässt. Geschichtliche Begebenheiten, Lebensereignisse, Thesen und Menschen, reale wie fiktive, werden Walter Benjamin umkreisen, ebenso erratisch-irrlichternd wie zwingend-folgerichtig, und sie werden sich immer erneut miteinander verschränken. Denn es geht keineswegs darum, die Biographie von Walter Benjamin nachzuerzählen, es ist vielmehr der Versuch eines Musiktheaters, das in seiner Dramaturgie die magische Gangart seines radikal grenzgängerischen Denkens aufnehmen will, das kein abgeschlossenes Denkgebäude, kein Zuhause suchte, sondern das rastlose Reisen selbst war.

(Yona Kim)



BENJAMIN SYMPHONIE

für Sopran, Bariton, KInderchor und Orchester (2018/19)

 

Uraufführung: 29. März 2019, Frankfurt, Hessischer Rundfunk

Lini Gong, Sopran, Thomas Bauer, Bariton

hr-Sinfonieorchester, Leitung: Peter Ruzicka

 


LOOP

Konzert für Trompete (Flügelhorn), Piccolotrompete und Orchester (2017)

Uraufführung: 5. Oktober 2018, München, Herkulessaal, musica viva

Sergei Nakariakov. Trompete und Flügelhorn
Giuliano Sommerhalder, Piccolotrompete
Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks
Leitung: Peter Ruzicka

Auftragswerk des Bayerischen Rundfunks (musica viva)


In LOOP werden musikalische Gestalten fortlaufend überschrieben. Ihre Konturen verändern sich zunehmend. Es ist ein rotierendes „Weiterdenken“, das auf Differenz und Wiederholung beruht. Die beiden komplementären Solopartien von Trompete und Piccolotrompete nehmen  die Rolle von „Erzählern“ ein. Sie kommentieren den Orchesterpart, widersprechen ihm, führen durch den musikalischen Verlauf. Immer wieder werden Grenzen der Spielbarkeit erreicht, in denen die Virtuosität der beiden Solisten gleichsam „ausgestellt“ wird. LOOP ist in der unmittelbaren Folge nach meiner Oper BENJAMIN entstanden und erscheint bisweilen wie ein Nachklang zu dieser Partitur. 

P.R.



STILL

Memorial für Posaune und Kammerensemble (2016)

Uraufführung: 15. September 2017, Konzerthaus Blaibach

Frederic Belli, Posaune
Ensemble risonanze erranti
Leitung: Peter Tilling